Die Weltwoche

<< Back

Die Weltwoche

26.01.2006

Für die Netzhaut ab 14

<excerpt>

Eric Brun-Sanglard - Wenn der 43-jährige Innenarchitekt Popstars und Oscarpreisträger zum ersten Mal besucht, tastet er sich den Wänden entlang. Er hält die Nase schnuppernd in die Luft und das Gesicht der wärmenden Sonne entgegen. Die Kunden ignoriert er konsequent. Brun-Sanglard ist blind und gehört zu den begehrtesten Inneneinrichtern von Hollywood. «Hände, Ohren und Nase sind meine wichtigsten Arbeitsinstrumente», sagt der Franzose. Als technische Hilfsmittel benutzt er einen sprechenden Computer und reliefartig ausgearbeitete Pläne. Im Übrigen verlässt sich der ehemalige Werber auf seine Erinnerungen als Sehender: «Zum Beispiel daran, wie schrecklich überladen solche Häuser sein können.» Die erste Anweisung an die Kundschaft lautet daher: «Räumen Sie das Haus leer, werfen Sie alles weg.» Seine Ratschläge werden meist brav befolgt. Wenig später leben die Prominenten in klosterähnlichen Behausungen ohne Spiegel, dafür mit Kamin. Einen solchen gibt es auch in Brun-Sanglards eigenem Heim, das als Showobjekt dient. Letzthin stand der Hausherr in seinem Badezimmer. Einen Tag später liess er die Wand zum nächsten Raum durchbrechen. Seither liegt der Inneneinrichter jeden Abend in der Badewanne und «sieht fern», wie Brun-Sanglard sagt. Die Augen sind der knisternden Feuerstelle zugewandt.